Unser Selbstbild formt sich im Lauf der Zeit aus allem, was wir erleben, was andere uns sagen, welche Rollen wir einnehmen, wie wir uns selbst einschätzen, was unsere Umgebung als „normal“ oder „wertvoll“ betrachtet und wie wir uns selbst hinterfragen. Es ist nie fertig, sondern passt sich ständig an neue Erfahrungen an.
Doch wann nehmen wir uns wirklich die Zeit, dieses Bild bewusst zu hinterfragen? Wie oft interessiert uns ernsthaft, wie andere uns erleben, jenseits von Höflichkeit oder oberflächlichem Feedback?
Wir wissen ziemlich genau, was wir beabsichtigen. Was bei anderen ankommt, ist etwas anderes. Zwischen dem eigenen Selbstbild und der tatsächlichen Wirkung auf andere kann sich eine Lücke bilden, die unsere Beziehungen zu anderen Menschen beeinflusst.
Diese Lücke hat Folgen.
Jemand versteht sich als strukturiert und verlässlich. In Besprechungen bringt er Ordnung in Diskussionen, fasst zusammen, entscheidet zügig. Einige im Team erleben das als hilfreich. Andere empfinden es als bestimmend.
Eine Kollegin sieht sich als aufmerksam und zugewandt. Wenn jemand im Meeting kaum spricht, fragt sie später: „Alles okay bei dir?“ Wenn eine Aufgabe länger dauert, fragt sie: „Ist gerade viel los bei dir?“ Sie möchte unterstützen. Manche schätzen genau das. Andere empfinden das als Einmischung.
Ein Teammitglied möchte locker sein, Humor einbringen, Spannungen lösen. In seiner Wahrnehmung schafft das Leichtigkeit. Gleichzeitig kann es passieren, dass sich jemand nicht ernst genommen fühlt.
Niemand von ihnen handelt mit schlechter Absicht. Trotzdem wirkt es auf andere anders, als erwartet.
Wenn Selbstbild und Wirkung auseinanderlaufen, verändert sich das Miteinander. Wir merken es an kleinen Dingen. Jemand hält sich in der Diskussion zurück, obwohl er sonst deutlich Stellung bezieht. Eine Kollegin bringt ihren Einwand erst nach dem Meeting vor, im Vieraugengespräch. Ein Vorschlag wird sachlich abgelehnt, doch die Stimmung ist seltsam.
Im Alltag beginnen wir, vorsichtiger zu formulieren oder bestimmte Themen gar nicht erst anzusprechen. Statt direkt zu sagen, was uns irritiert, speichern wir es nur ab. Aus den Erfahrungen entsteht mit der Zeit ein festes Bild von anderen.
So wächst Abstand in kleinen Schritten. Die Zusammenarbeit wird dann anstrengend, weil ständig etwas mitschwingt, das nie richtig benannt wird.
Ein reflektierter Umgang mit Wirkung beginnt mit der Bereitschaft, sie bewusst wahrzunehmen. Wer Verantwortung für sein Handeln übernimmt, bezieht auch ein, wie es beim Gegenüber ankommt.
Die Absicht gehört uns. Die Wirkung entsteht im Zusammenspiel. Sobald uns dieser Unterschied bewusst wird, erweitert sich unser Handlungsspielraum.
Das kann mit einfachen, konkreten Fragen beginnen:
- „Wie kam das eben bei dir an?“
- „War ich gerade zu direkt?“
- „Hattest du genug Raum für deine Sicht?“
Solche Fragen öffnen Gespräche. Sie verhindern, dass Eindrücke sich verfestigen, ohne überprüft zu werden.
Ebenso hilfreich ist es, den eigenen Zustand gelegentlich einzuordnen. Wer unter Zeitdruck steht, kann das sagen. Wer merkt, dass die Geduld heute begrenzt ist, kann das benennen. Diese Einordnung nimmt Spannung aus Situationen, in denen sonst schnell Missverständnisse entstehen.
Es macht einen Unterschied, ob ich nur meine Absicht kenne oder auch meine Wirkung.
Wie wir auf andere wirken, gehört zu unserem Handeln dazu. Es ist kein Nebeneffekt, sondern Teil unseres Auftretens. Wer bereit ist, sich Rückmeldung einzuholen und das eigene Verhalten zu reflektieren, gestaltet Zusammenarbeit aktiv mit. Das verändert Gespräche und schafft mehr Vertrauen im Umgang miteinander.
Es braucht dafür keine permanente Selbstanalyse. Es reicht, hin und wieder innezuhalten und zu fragen: Wie wirke ich gerade? Und bin ich bereit, mir dazu ein ehrliches Feedback einzuholen?
Zwischen Selbstbild und Fremdbild wird es nie völlige Übereinstimmung geben. Doch je kleiner die Lücke, desto leichter wird Zusammenarbeit.
Professionelle Reife liegt auch darin, uns dafür zu interessieren, was bei anderen ankommt.
Wer Zusammenarbeit ernst nimmt, schaut zuerst auf sich selbst. Wie trete ich auf? Was löse ich aus? Welche Muster prägen mein Verhalten?
Der zweite Schritt ist aktiver Abgleich. Rückmeldung einholen, auch wenn sie unbequem sein kann. Nur so können wir unsere blinden Flecken verkleinern.
Und schließlich gehört Offenheit dazu. Ein Satz wie „Ich bin heute nicht ganz bei mir“ oder „Das Thema beschäftigt mich gerade“ schafft Kontext. Andere können so unser Verhalten besser einordnen, statt es zu interpretieren.
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