Viele Führungskräfte erwarten von ihren Mitarbeitenden, sie sollen Verantwortung übernehmen, mitdenken und sich weiterentwickeln. Sie sollen Aufgaben selbstständig lösen, Entscheidungen vorbereiten und über den Tellerrand blicken.
Das ist nachvollziehbar. Doch welche Rolle spielt die Führung bei dieser Entwicklung?
In vielen Organisationen wird Entwicklung als etwas betrachtet, das vor allem von den Mitarbeitenden ausgehen soll. Wer engagiert ist, so die Annahme, wird sich schon weiterentwickeln. Wer Interesse zeigt, wird neue Aufgaben übernehmen und sich neue Fähigkeiten aneignen.
Diese Sichtweise übersieht jedoch einen wichtigen Punkt: Entwicklung braucht Rahmenbedingungen.
Menschen entwickeln sich dort, wo sie Aufgaben bekommen, an denen sie wachsen können. Sie entfalten ihr Potenzial besser, wo sie konkrete, wertschätzende Rückmeldung erhalten und ihre Erfahrungen einordnen können. Und sie wachsen, wo Fehler als Teil eines Lernprozesses verstanden werden.
All diese Bedingungen werden maßgeblich durch Führung beeinflusst.
Wenn von Entwicklung gesprochen wird, denken viele zuerst an Seminare, Trainings oder Weiterbildungsprogramme. Diese Angebote sind sinnvoll und notwendig. Doch sie sind nur ein Teil dessen, was Entwicklung im Arbeitsalltag tatsächlich braucht.
Die wertvollsten Erfahrungen machen Mitarbeitende bei der täglichen Arbeit. Sie entstehen durch neue Aufgaben, durch größere Verantwortung, durch Gespräche über Erfolge und Schwierigkeiten. Entwicklung zeigt sich in der Art, wie jemand Entscheidungen trifft, Probleme analysiert oder mit anderen zusammenarbeitet.
Führungskräfte beeinflussen diese Entwicklung vor allem durch die Auswahl von Aufgaben, den von ihnen geschaffenen Freiraum und durch ihre Rückmeldungen.
Eine Führungskraft kann Entwicklung weder erzwingen noch vollständig planen. Sie kann jedoch Einfluss darauf nehmen. Je nach Situation kann die Führungskraft dabei verschiedene Rollen einnehmen.
Wenn es darum geht, Aufgaben zu übertragen, braucht die Führungskraft den Überblick über das Gesamtbild. Sie erkennt, welche Themen gerade wichtig sind und welche Aufgaben anstehen. Gleichzeitig schätzt sie ein, welche Person im Team dafür geeignet ist oder an einer neuen Aufgabe wachsen kann. In dieser Situation ist die Führungskraft Ideengeber und Wegbereiter für neue Erfahrungen.
Beim Thema Feedback verändert sich die Rolle. Hier wird die Führungskraft zum Sparringspartner, Mentor oder Coach. Sie hilft dabei, Erfahrungen einzuordnen, Fortschritte sichtbar zu machen und aus Schwierigkeiten zu lernen. Gute Rückmeldungen geben Orientierung und unterstützen Mitarbeitende dabei, ihre eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen.
Verantwortung übertragen gelingt am besten in einem Dialog zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Die Führungskraft bringt ihre Beobachtungen, Ideen und Einschätzungen ein. Gemeinsam wird geklärt, wo neue Verantwortung sinnvoll übernommen werden kann und welche Unterstützung dabei hilfreich ist.
In dieser Situation behält die Führungskraft das Gesamtbild im Blick, erkennt Entwicklungsmöglichkeiten und sorgt gleichzeitig dafür, dass neue Aufgaben weder überfordern noch unterfordern. Gleichzeitig bleibt sie Ansprechpartner, wenn Rückfragen entstehen oder Entscheidungen abgestimmt werden müssen.
Führung bedeutet also, bewusst zu entscheiden, welche Rolle gerade gefragt ist. Eine erfolgreiche Führungskraft kennt die verschiedenen Rollen und kann sicher dazwischen wechseln.
Wem klar ist, wozu Führung da ist (Orientierung geben, Entwicklung ermöglichen und Dynamik im Team regulieren), erkennt auch: Entwicklung ist steuerbar.
Wer Entwicklung im Team erwartet, sollte deshalb auch einen Blick auf die eigene Rolle werfen. Wenn Mitarbeitende wachsen sollen, brauchen sie dafür Raum.
Nicht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter möchte sich im gleichen Maß weiterentwickeln. Manche bringen andere Interessen mit, andere fühlen sich in ihrer aktuellen Rolle wohl. Auch das gehört zur Realität im Arbeitsalltag.
Die Aufgabe von Führung besteht deshalb nicht darin, jede Person unter allen Umständen zu verändern. Ihre Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Entwicklung möglich wird.
Wer diesen Raum anbietet, wird erleben, dass viele Mitarbeitende ihn nutzen. Manche weniger. Auch das ist Teil von Führung.
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