Der direkte Weg ist manchmal länger

Juni 22, 2026

„Ich mag keine Umwege.“

„Ich komme lieber direkt zur Sache.“

„Small Talk? Ist doch vergeudete Zeit.“

Solche Aussagen höre ich immer wieder in Seminaren oder in der Arbeit mit Führungskräften, Teams oder Unternehmerinnen und Unternehmern.

Dahinter steckt meist ein nachvollziehbarer Wunsch: Gespräche sollen effizient sein. Man möchte schnell zum Wesentlichen kommen und möglichst keine Zeit verlieren.

Das funktioniert zumindest dann, wenn das Gegenüber ähnlich kommuniziert und die gleiche Erwartung an Gespräche hat.

Schwieriger wird es, wenn Menschen anders ticken. Dann entsteht schnell der Eindruck von Distanz, Desinteresse oder fehlender Wertschätzung, obwohl eigentlich nur Zeit gespart werden sollte.


Verbindung kommt vor Inhalt

Wer sofort auf den Inhalt zielt, überspringt häufig einen wichtigen Teil der Kommunikation: die Verbindung zum Gegenüber.

Menschen beschäftigen sich selten nur mit Fakten. Sie nehmen auch wahr, wie etwas gesagt wird, wie viel Interesse vorhanden ist und ob der Austausch auf Augenhöhe erfolgt.

Auf dieser Grundlage werden Inhalte eingeordnet, Ideen verstanden und Argumente überhaupt geprüft. Bevor Menschen zuhören, entscheiden sie, ob sie zuhören wollen.

Diese Entscheidung fällt oft sehr früh. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Vertrauen, Respekt, Sympathie und auch die Frage, ob wir die Art der Kommunikation unseres Gegenübers berücksichtigen.

Denn Menschen sind unterschiedlich. Manche möchten möglichst schnell zu Zahlen, Daten und Fakten kommen. Andere brauchen zunächst Orientierung, Austausch oder eine persönliche Ebene. Beides ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist, ob wir das erkennen und unser Gespräch entsprechend gestalten.


Small Talk ist mehr als ein netter Einstieg

Small Talk hat oft einen schlechten Ruf. Viele verbinden damit belanglose Gespräche über das Wetter oder das Wochenende.

Tatsächlich erfüllt er aber eine wichtige Funktion. Er schafft einen ersten Kontakt, signalisiert Interesse und hilft Menschen dabei, sich aufeinander einzustellen. Gerade in Führung, im Kundenkontakt oder bei wichtigen Gesprächen reichen oft wenige Minuten, um eine deutlich bessere Gesprächsbasis zu schaffen.

Wer sich diese Zeit nimmt, investiert in die Qualität der Kommunikation.


Der Nutzen von Small Talk

Eine gute Gesprächsbasis kann bewusst geschaffen werden.

Menschen hören aufmerksamer zu, wenn Vertrauen vorhanden ist, wenn sie sich respektiert fühlen und wenn die Kommunikation zu ihnen passt.

Wer sein Gegenüber ernst nimmt und sich auf dessen Art der Kommunikation einlässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass die eigene Botschaft ankommt.

Deshalb ist Small Talk kein unnötiges Extra. Er ist häufig der Einstieg in ein gutes Gespräch.

Wer diesen Schritt bewusst überspringt, verschenkt oft die Möglichkeit, früh Vertrauen aufzubauen und Missverständnisse zu vermeiden.


Effizienz in der Kommunikation bedeutet nicht, möglichst schnell zu sprechen. Sie zeigt sich daran, dass die Botschaft verstanden wird, wie sie gemeint ist.


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