Es gibt Momente in meinen Workshops, die ich immer wieder gerne erlebe.
Wir kommen zum Thema Wertschätzung. Ich bitte die Teilnehmenden, sich gegenseitig etwas Konkretes zu sagen, was sie aneinander schätzen. Manchmal schreiben sie es auf eine Karte, manchmal sagen sie es sich. Dann passiert etwas Bemerkenswertes.
Die Person, die Wertschätzung erhält, wird sichtbar glücklicher. Ein Lächeln, eine andere Körperhaltung, freudiger Blick. Die Person, die anderen Wertschätzung gibt, strahlt genauso. Teilnehmende, die kurz vorher vielleicht noch etwas angespannt waren, werden spürbar lockerer. Mehrere sagen danach, fast überrascht: „Das hat sich richtig gut angefühlt.“
Das ist Wertschätzung. Schlicht und wirksam.
Die meisten verbinden Wertschätzung mit Lob. Mit einem „Gut gemacht“ nach einer Präsentation oder einem Dankeschön zum Jahresende. Das ist eine Form von Wertschätzung. Doch sie ist noch viel mehr.
Wertschätzung beginnt mit der inneren Haltung.
Will ich wirklich die andere Person sehen? Schaue ich genauer hin? Will ich sehen, wer sich einbringt, wer Verantwortung übernimmt, wer da ist, auch wenn es stressig wird?
Wer nicht gesehen wird, zieht sich zurück. Abraham Maslow hat Wertschätzung nicht ohne Grund als eines der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse beschrieben, direkt nach Sicherheit und Zugehörigkeit. Das Gehirn registriert fehlende Anerkennung ähnlich wie sozialen Schmerz. Der Gallup-Engagement-Index zeigt seit Jahren: Mangelnde Anerkennung gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen innerlich oder tatsächlich kündigen.
Wertschätzung hat zwei Seiten. Die eine kennen wir: Empfangen. Das tut gut, das motiviert, fühlt sich gut an.
Die andere Seite wird unterschätzt: Geben.
Wertschätzung zu geben fühlt sich genauso gut an, wie sie zu bekommen. Wer also andere aktiv und bewusst wertschätzt, tut auch sich selbst etwas Gutes.
Eine Aktion – zwei Menschen glücklicher gemacht!
Amy Edmondson, Professorin in Harvard, hat in ihrer Forschung zu psychologischer Sicherheit gezeigt: In Teams, in denen Menschen offen ansprechen, was sie sehen, auch Positives, steigt die Bereitschaft, ehrlich zu kommunizieren. Die Zusammenarbeit verbessert sich. Die Leistung des gesamten Teams steigt, weil Vertrauen entsteht.
In meinen Workshops arbeite ich mit Karten, auf denen verschiedene Formen der Wertschätzung stehen: von „Großartig“ bis „Kopf hoch“, von „Super gemacht“ bis „Danke, dass du da bist“. Klingt simpel. Ist es auch.
Der Effekt ist trotzdem jedes Mal spürbar. Weil die Karten einen Schritt erfordern, den viele im Alltag nicht tun: Wertschätzung konkret machen. Statt „du machst das gut“: Was genau habe ich gesehen? Was hat mich beeindruckt? Was fand ich daran gut?
Alle, die das bisher ausprobiert haben, haben schnell gemerkt, dass es leichter fällt als gedacht.
💡 Wann hast du zuletzt jemandem gesagt, was du an ihm oder ihr schätzt, konkret und direkt?
💡 Falls die Antwort länger zurückliegt: Was hält dich davon ab?
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